Fünf kostenfreie Schritte zum einrichtungsinternen Qualitätsmanagement in der Arztpraxis


Autoren: Gabriele Schuster, Horst Poimann, Ching Chung Wong, Uwe Meier

Qualitätsmanagement muss nicht teuer und kompliziert sein. Wir zeigen Ihnen auf den folgenden Seiten, wie Sie QM kostenfrei und einfach in Ihrer Praxis implementieren und von den Vorteilen dieser Methode profitieren können.

Zu Beginn einige Worte zu den Grundprinzipien des Qualitätsmanagements:

Was ist eigentlich QM?

Das Prinzip des QMs lässt sich in einem einzigen Schaubild darstellen:


Abbildung 1: Der „Deming-Zyklus“ – das Prinzip des Qualitätsmanagements

Qualitätsmanagement ist die gute Idee, sich Ziele für die Praxis zu überlegen, diese aufzuschreiben und umzusetzen (vom „Plan“ zum „Do“). Dies ist das tägliche Brot eines jeden Praxisinhabers, dessen Praxis auch bei den gegebenen gesundheitspolitischen Bedingungen noch existiert.
Was in Praxen ohne systematisches QM fehlt ist der systematische, anlassunabhängige Check, ob sich die Praxis noch auf dem Weg hin zu den Zielen befindet, ob die Ziele im Alltag aus dem Fokus geraten sind oder ob die Ziele ggf. falsch waren. Erkennbar ist dies an Sätzen wie „Irgendwie haben wir das doch vor 3 Monaten schon mal besprochen, oder?“ Systematisches QM bedeutet, regelmäßig zu prüfen, ob Regelungen eingehalten werden und entsprechende Konsequenzen abzuleiten (vom „Check“ zum „Act“).

Hinter diesem einfachen Regelkreis steckt die sogenannte „Kaizen-Philosphie“, die japanische Philosophie der kontinuierlichen Verbesserung. Die konsequente Umsetzung dieses „PDCA-Zyklusses“ von Deming verursachte den immensen Aufschwung der japanischen Automobil-Industrie in den 60er und 70er Jahren.

Das Prinzip ist einfach (damals wie heute):

Qualitätsmanagement bedeutet die systematische Implementierung des PDCA-Regelkreises an allen Punkten der Praxis, die
1. risikorelevant
2. ökonomisch relevant
3. qualitätsrelevant und
4. servicerelevant
sind.

Der Start eines QM-Systems

Kluge Praxisinhaber beginnen mit dem Aufbau ihres QM-Systems in den sogenannten „risikorelevanten“ Bereichen der Praxis. Danach erstreckt sich QM in die ökonomisch relevanten Bereiche (wer verschenkt schon gerne Geld) und bezieht im Folgenden die qualitäts- und servicerelevanten Aspekte der Praxis ein.

Beispiele für risikorelevante Regelungen wäre z.B. die Sicherstellung, dass alle Mitarbeiterinnen, die an einem medizinischen Gerät arbeiten, nachweislich (per Einweisungsbestätigung) an diesem Gerät eingewiesen sind. Falls solche Einweisungprotokolle im Versicherungsfall nicht vorliegen freut sich die Versicherung.

Ein weiteres Beispiel für Risikorelevanz wäre, dass Notfallpatienten mit Hilfe einer Checkliste zur Dringlichkeitsabklärung am Telefon sicher identifiziert und schnell einbestellt werden. Patienten mit weniger dringlichen medizinischen Indikationen müssen den Terminkalender hingegen nicht notfallmäßig in Anspruch nehmen. Außerdem helfen der Helferin klare Kriterien, wann sie nicht mehr über „Notfall oder Nicht-Notfall“ entscheiden darf und beim Arzt nachfragen muss.

Beispiele für ökonomisch relevante Aspekte wären z.B. Regelungen, die sicherstellen, dass alle durchgeführten Leistungen, soweit abrechenbar, auch abgerechnet werden.

Menschen, die über Regelungen dieser Art bereits verfügen, sei an dieser Stelle herzlich gratuliert: Herzlichen Glückwunsch, Sie betreiben bereits Qualitätsmanagement! Wie übrigens jeder clevere Unternehmer mit einem erfolgreichen Unternehmen.

Wer sagte, dass QM etwas Neues ist? Wenn man so möchte ist QM nichts anderes als systematischer gesunder Menschenverstand in der Praxisführung.

Aber nun zu der Frage, wie auf kostenfreiem Wege ein einrichtungsinternes QM-System implementiert werden kann.

Schritt Eins: Entscheidung der Praxisinhaber, ein QM-System einzuführen

Diese Entscheidung sollte tatsächlich gut überlegt sein. Die Praxisinhaber werden als Vorbild in Sachen „Kontinuierliche Verbesserung“ vorangehen müssen!

Die sicherste Variante, ein QM-System von vornherein zum Scheitern zu Verurteilen ist die Einstellung der Praxisinhaber „QM ist prima, nur etwa 1,5 Meter vor meinem Schreibtisch sollte damit Schluss sein“. QM beginnt beim Chef und endet beim Chef. Nur wenn Sie das Prinzip des „PDCA“ auch auf Ihre Person anwenden, werden Ihre Helferinnen mitziehen.

Schritt Zwei: Ernennung einer/eines QM-Beauftragten

Qualitätsmanagement braucht eine Person, die sich des Themas annimmt und die entstehenden Projekte und Aufgaben koordiniert. Für die Aufgabe der/des QMBs empfiehlt es sich, z.B. eine Helferin oder eine andere Person als dem Team zu gewinnen. Praxisinhabern fehlt es für diese Aufgabe an Zeit. Die/der QMB wird pro Woche zwei Stunden lang für QM-relevante Tätigkeiten freigestellt. Dies genügt schon, um das eine oder andere Projekt voranzubringen. Hat der/die QMB mehr Zeit, gehen die Projekte schneller und mehr wird in kürzerer Zeit erreicht. Dies muss jedoch überhaupt nicht sein, es sei denn es wird z.B. eine Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 angestrebt. Diese macht mehr Aufwand als die Einführung eines rein einrichtungsinternen QM-Systems, von der hier die Rede ist.

Schritt Drei: Durchführung eines Verbesserungsworkshops mit allen Mitarbeitern und Ableiten von Verbesserungsprojekten

Nach der Ernennung der/des QMB setzt sich das Praxisteam mit allen Mitarbeitern 1,5 Stunden zusammen und bespricht, was in der Praxis besser gemacht werden kann. Bei größeren Gruppen und schweigsamen Mitarbeitern hilft es, Rückgriff auf eine sogenannte „Kartenabfrage“ zu nehmen. Dies bedeutet, dass jeder Mitarbeiter seine Idee auf ein farbiges, hochkant gedritteltes Blatt Papier schreibt (pro Idee ein Blatt, groß schreiben, dicke Stifte verwenden damit es auch von etwas weiter weg gelesen werden kann). Diese Blätter (auch „Moderationskarten“ genannt) werden mit einem Klebeband an eine Wand geheftet und der Reihe nach besprochen. Diese Methode hilft, den bekannten „Ich schließ´mich an“-Effekt zu vermeiden und lässt das Team zeitlich parallel denken, was in aller Regel zu einer Fülle von Ideen führt.
Bei sehr großen Teams hilft es, die Teams in Gruppen bis zu 12 Mitarbeitern zu splitten. Wer tiefer in die Techniken der Moderation von Gruppen einsteigen möchte kann dies im Rahmen ein- bis zweitägiger Moderationstrainings tun. Entsprechende Adressen sind unter Anderem bei der Athene-Akademie erhältlich.

Nach dem Sammeln der Verbesserungsideen werden Veränderungen beschlossen und protokolliert. Wichtig ist, dass die ersten drei Verbesserungsideen, die nicht unmittelbar gesetzeswidrig und geschäftsschädigend sind, umgesetzt werden. Dies bewirkt, dass das Team merkt, dass es den Praxisinhabern mit der kontinuierlichen Verbesserung ernst ist. Beim Protokoll bitte darauf achten, dass fixiert wird, wer was bis wann zu erledigen hat. Das Protokoll wird allen Mitarbeitern zugänglich gemacht, der/die QMB kontrolliert die Umsetzung des Beschlossenen. Verbesserungsprojekte, die ein wenig mehr Zeit benötigen, als in der Besprechung zur Verfügung besteht, werden in einen sogenannten „Qualitätszirkel“ (QZ) überführt. Für effiziente QZ´s gelten die folgenden Regeln:

• Es werden nicht mehr als drei Sitzungen a 45 Minuten anberaumt. Danach sollte der/dem QMB ein darstellbares Zwischenergebnis vorgelegt werden.
• Die/der QMB entscheidet über die Genehmigung weiterer drei Sitzungen.
• Qualitätszirkel werden als Überstunden vergütet oder finden innerhalb der Arbeitszeit statt.
• In jeder Sitzung des QZ´s wird ein Protokoll erstellt, das der/dem QMB zur Verfügung gestellt wird.
• Für jeden QZ wird ein Projektleiter ernannt.
• Die Ergebnisse der QZ´s werden in der Teamsitzung vorgetragen.

Selbstverständlich kostet die Durchführung solcher Verbesserungsprojekte die Zeit der Mitarbeiter. Die Ergebnisse der Projekte sollten diese zeitliche Investition jedoch mehrfach wieder wett machen.

Schritt Vier: Bewertung und Dokumentation des Erfolges

Nach der Durchführung der ersten Verbesserungsprojekte setzt sich die/der QMB mit den Mitarbeitern oder dem Leitungsteam zusammen. Dort wird bewertet, ob
1. alle beschlossenen Maßnahmen durchgeführt wurden
2. ob der gewünschte Effekt erzielt wurde.
Die Ergebnisse dieser Besprechung werden in einem sogenannten „QM-Bericht“ fixiert. Danach werden die ersten nachweisbaren Erfolge des QM-Systems (wild) gefeiert.

Schritt Fünf: Ableitung weiterer Verbesserungsprojekte

Im Folgenden wird entweder im gesamten Team oder in einer Sitzung der Leitung abgeleitet, welche Verbesserungsprojekte als nächstes durchführt werden und diese werden zeitnah gestartet. Das weiter Vorgehen kann unter „Schritt Vier“ nachgelesen werden.

Die konsequente Durchführung dieser fünf einfachen Schritte bedeutet, dass die Praxis über ein sogenanntes „einrichtungsinternes QM-System“ verfügt.

Qualitätsmanagement funktioniert dann am Besten, wenn es allen Beteiligten Spaß macht und den Mitarbeitern, Chefs und Patienten weiterhilft. Es schützt nicht vor Schwangerschaftshäufungen und Computerabstürzen, aber es hilft Praxisinhabern, ihre Ziele zu erreichen. Und dies auf verblüffend einfache Weise.

Eine weiterführende Darstellung möglicher kostenfreier Wege zu einem noch umfassenderen Qualitätsmanagement in der Praxis findet sich in Band 2 der Reihe „Argumente für die Praxis“ mit dem Titel „Fünf kostenfreie Wege zu Qualitätsmanagement in der Praxis“. Das kleine aber feine Büchlein bietet auf ca. 70 Seiten pragmatische, kostenfreie oder sehr kostengünstige Tipps zur Implementierung eines noch weiterführenden QM-Systems in der Arztpraxis. Es kostet 15 Euro zuzüglich Versandkosten und ist bei der Athene-Akademie (Fon: 0931-88029396, Fax: 0931-88029398) erhältlich.

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