Sandra Linke (QMB)

Einführung eines QM-Systems in einer neurologischen Praxis: -Vom Pilotprojekt zur Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001-

Erfahrungen aus Sicht einer Arzthelferin


Die Praxisleitung hatte sich entschieden, in der Praxis ein Qualitätsmangementsystem einzuführen und eine Zertifizierung durchführen zu lassen. Ich konnte als dienstälteste Arzthelferinnen für die Stelle der Qualitätsmanagementbeauftragten gewonnen werden. Meine Aufgabe war es fortan, den Aufbau des Systems zu organisieren. Um mich und die Praxisleitung über das weitere Vorgehen zu informieren, gab es zunächst eine Einweisung ins Qualitätsmangement durch athene, der Akademie für Qualitätsmanagement im BDNin unserer Praxis. Inhalte der Einführung waren u.a. der der Zeitaufwand, Ansprechpartner, Termine und Informationen zum Aufbau eines QM-Systems. Am Ende der Veranstaltung war mir klar, an wen ich mich wenden kann, wenn ich mal nicht mehr weiter weiß, wann die Treffen der Pilotpraxen stattfinden, wann die Kick OFF Veranstaltung stattfindet, welche Ordner anzulegen sind, was ist risko-relevant, was ist ökonomisch-relevant, was Qualitäs-relevant, was ist service-relevant sein könnte was ist ein Kernleistungsprozess ist, was Unterstützungs- und Managementprozesse sind usw..

Die Qualitätsmangementbeauftragten. (QMB) wurde als Stabsstelle mit Weisungsbefugnis im QM-relevanten Angelegenheiten direkt unterhalb der Praxisleitung angesiedelt. Für die Zeit bis zum ersten internen Audit (Anhörung) wurde ich einen halben Tag pro Woche für die QM-Tätigkeit freigestellt, nach Erreichen des Zertifikats wurde eine Freistellung von zwei bis drei Stunden pro Woche für die weitere Pflege des Systems vorgesehen. Beim Aufbau der QM-Dokumentation wurde ich, durch meine stellvertretende QMB unterstützt. Ernannt wurde ein Beauftragter der Praxisleitung, der mir als Ansprechpartner, zur Unterstützung beim Aufbau des System mit Rat und Hilfe zu Seite stand.

Drei Praxen machten sich als Pilotprojekt unter der Leitung von athene daran, ein Qualitätsmanagement aufzubauen. Der Aufbau des Qualitätsmangements wurde in 7 Arbeitsblöcke aufgeteilt. In den regelmäßige Treffen der Pilotpraxen wurde jeweils ein neuer Arbeitsblock vorgestellt und bearbeitet. Probleme, die dabei entstanden, konnten diskutiert und Lösungen herbeigeführt werden. Weiterhin dienten diese Treffen dem Infomationsaustausch, zur Hilfestellung und zur Problemlösung. Der Austausch zwischen den Praxen war sehr interesant und machte allen QMB’s (Qualitätsmanagemntbeauftragten) viel Vergnügen. Die Probleme in den Praxen ähneln sich zum Teil sehr stark, die Problemlösungsansätze sind hingegen ganz unterschiedlich, so daß wir gut von einander lernen konnten. Auch die Fragen der Mitarbeitermotiviation in Bezug auf das QM-System, die Darstellung der Vorteile des Qualitätsmangements gegenüber den Mitarbeitern und die Einbindung der Mitarbeiter beim Aufbau des Systems waren Themen. Dabei kommt es auch auf die eigene Einstellung an. Wenn man als QMB benannt ist und sich dieser neuen Herausforderung gewachsen fühlt, geht vieles schon von alleine. Der ganze Aufwand bedeutet nicht nur viel Arbeit, sondern macht auch viel Spaß. Alle sollten an einen Strang ziehen, nur zusammen schafft man es, Qualitätsmangement ist Teamarbeit und wird nicht nur von der QMB oder der Praxisleitung durchgeführt.

Wie waren unsere Erfahrungen? Am Anfang sah man den Wald vor lauter Bäumen nicht, viele Begriffe waren einem nicht geläufig. Was ist z.B. eine Verfahrensanweisung, eine Arbeitsanweisung, ein Formblatt oder was ist das Handbuch. HIerbei half das Musterhandbuch des BDN mit zahlreichen beispielhaften Verfahrens- oder Arbeitsanweisungen.
Was ebenfalls sehr geholfen hat, war eine sogenannte kick-off-Veranstaltung für alle Mitarbeiter in der Praxis, einschließlich Praxisleitung unter der Leitung von athene. Das Thema war Einführung in das Qualitätsmangement. Es wurden vom gesamten Team herausgearbeitet, wsa gut läuft und weniger gut läuft und so Verbesserungspotenziale in unserer Praxis herausgearbeitet. Es war erstaunlich, was alles zusammen kam und so war man schon mitten im Qualitätsmangement und in den ersten PRojekten und regelungsbedürftigen Prozessen, bzw. Bereichen, die in Einzel- oder Gruppenarbeit angegangen wurden. Bei der kick-off- Veranstaltung sah man deutlich, wieviel Spaß Qualitätsmangement machen kann. Jeder brachte sich ein und so klappte auch das Zusammenspiel zwischen Arzt und Arzthelferin. Durch die Regeln de Zusammenarbeit gab es auch keine Angst, unangenehme Dinge anzusprechen Diese konnten und mußten diskutiert und gelöst werden.

In der Praxis wurde eine Einführung in die Logik des Systems durchgeführt. So konnte Schritt für Schritt die erforderlichen Dokumente gestaltet und die ersten Aufgaben verteilt werden. Eine Checkliste über den aktuellen Stand und was ist noch zu tun , bewahrte den Überblick und war für alle Mitarbeiter erkenntlich. Schwierig war zu erkennen, was wir tatsächlich brauchen und was wir unbedingt regeln müssen. Manche Sachen werden regelt und nicht benötigt oder es wird zu viel geregelt, also---- was läuft gut und muß noch niedergeschrieben werden in eine Verfahrens- oder Arbeitsanweisung .Am bestem die Praxis in große Aufgabenbereiche aufteilten, wie z.B. Rezeption, Abrechnung, Diagnostik, Urlaubsplanung/ Dienstplan und dann mal aufschrieben, wie funktioniert das eigentlich bei uns.
Probleme gab es bei der Nummerieung des Systems , das bedeutete mehrmalige Anrufe bei athene. Auch diese Schwierigkeit wurde gelöst.

Das erste interne Audit stand vor der Tür, es wurde alles nochmals kontrolliert (Dokumentenprüfung) und ein interner Praxisrundgang (QMB und Arzt) fand statt. Die daraus entstanden offenen Aufgaben/Korrekturmaßnahmen wurden in eine Liste dokumentiert und an die Praxisleitung und Arzthelferinnen verteilt. Der Praxisrundgang erwies sich als sehr nützlich und ist jetzt fester Bestandteil unseres QM Plans. Alle freuten sich , auch wenn sie nervös waren , auf das interne Audit. Jeder wollte zeigen , was er bis jetzt geleistet hat und so kamen wir dann zum externen Audit durch den TÜV med. Die Spannung stieg bis wir schließlich die erlösenden Worte des Auditors hörten, daß wir es geschafft haben. Wir sind zertifiziert und konnten dies kräftig feiern.

Es heißt nicht das nach der Zertifzierung alles beendet ist. Die weitere Pflege und Benutzung des Handbuches bedeutet : immer wieder kontinuierliche Verbesserung. Ein fortlaufender Prozess. Auch die neuen Mitarbeiter finden das Handbuch immer als große Hilfe.
Was bleibt als Fazit festzustellen? Wir sind alle sehr stolz auf das, was wir geschaffen haben. Vieles läuft besser und effektiver. Einiges ist aber auch noch zu tun. Das QM-System hilft uns dabei, Fehler schneller zu erkennen und Lösungsstrategien herbeizuführen. Die Motivation der Mitarbeiter ist deutlich gestiegen. Alle haben das Gefühl, daß sich die Arbeit gelohnt hat. Wir würden es jederzeit wieder beginnen.

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