| 1. Einleitung
Kommunikation im Qualitätsmanagement, unbestritten ein Kernelement
im Management von Organisationen, findet nur selten eine umfassende
Würdigung. Auch im Folgenden werden fokussiert nur bestimmte
Aspekte beleuchtet, die eher aus der pragmatischen Perspektive Kommunikation
im Qualitätsmanagement betrachten. Genau genommen werden für
bestimmte Phasen im Qualitätsmanagement Kommunikationsmittel
als phasenspezifisch oder phasennotwendig benannt, die eine Organisation
oder die Führung einer Organisation in die Lage versetzen,
Inhalte, die ein umfassendes Qualitätsmanagement oder einzelne
Teilaspekte des Qualitätsmanagements erfordern, auch effizient
in die Tat umzusetzen. Bevor die einzelnen Phasen und die dafür
relevanten Kommunikationsmodule ausführlicher behandelt werden,
erscheint es sinnvoll, die in der Überschrift genannten Begriffe
zu klären.
Qualitätsmanagement
wird in der DIN EN ISO 9000 definiert als „aufeinander abgestimmte
Tätigkeiten zur Leitung und Lenkung einer Organisation bezüglich
Qualität“. Diese fassen all die Aktivitäten bezüglich
der Politik, der Ziele, der Planung, der Lenkung, der Sicherung
und Verbesserung im Hinblick auf Qualität zusammen. Beim Total
Quality Management oder im Umfassenden Qualitätsmanagement
ist die Teilnahme aller Mitglieder der Organisation eine unbestrittene
Forderung.
Kommunikation ist
laut Duden vom Lateinischen communicare herstammend, d. h.
„gemeinschaftlich tun, mitteilen“; daher auch communis
„gemeinsam“ oder communicatio „Mitteilung,
Unterredung“. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
kamen über englische Einflüsse die Bedeutung “Verständigung,
Informationsaustausch“ als Bedeutungsinhalte dazu. Im Deutschen
Wörterbuch „Wahrig“ ist Kommunikation als „Verbindung,
Zusammenhang, Verkehr, Umgang und Verständigung“ (zwischen
Menschen) definiert. Während die Begriffe Qualitätsmanagement
und Kommunikation in ihrer Klärung und Definition sicher nichts
Wunderbares produzieren, lohnt es sich, auf die Begriffe "kritisch"
und "konstruktiv" zu blicken.
Konstruktiv im Duden
heißt „folgerichtig, aufbauend“ und im Wahrig
„zusammenfügend und entwickelnd“. Dieses Adjektiv
ist für die Kommunikation im QM wie geschaffen, insbesondere
wenn man sich dessen Gegenteil, nämlich destruktiv, vor Augen
hält.
Anders ist es bei dem Wort kritisch.
Hier führt der Duden an „streng prüfend und beurteilend,
anspruchsvoll, tadelnd, wissenschaftlich erläuternd, bedenklich,
gefährlich“. Der Frage, inwieweit ausgerechnet dieses
Adjektiv als erstes in einer Überschrift zur Kommunikation
im QM stehen sollte, mag mit dem Hinweis begegnet werden, dass gerade
kommunikative Fragestellungen zum Teil sehr unspezifisch allgemein,
zum Teil selbst bei weitem Umfang des Wissenschaftsbegriffs wenig
wissenschaftlich betrieben werden. Insofern ist dieses „kritisch“
sehr wohl in seinem Doppelsinn, nämlich „streng prüfen
und beurteilen, anspruchsvoll“, aber gleichzeitig auch „bedenklich
und gefährlich“ gesetzt worden. Der Weg zu einer evidenzbasierten
Kommunikationswissenschaft im QM ist noch sehr weit offen.
Folgt man einer Klassifikation von Literaturauswertungen durch
Greenbaum und Falcione (1974), führen sie sieben unterschiedliche
Themenbereiche der Kommunikation auf, die in Organisationen beforscht
und wissenschaftlich bearbeitet wurden. In den weitgefächerten
Themen zeigt sich bereits die zentrale Funktion der Kommunikation,
die Simon bereits 1945 zusammenfasst in „communication is
absolutely essential to organization“.

Damit zeigt sich die „Schwierigkeit, die zum Teil disparaten
Themenstellungen noch mit einer einzigen Definition aufzufangen.
Horizontale und vertikale (nach oben bzw. nach unten ge-rich-tete),
interpersonelle Kommu-nikation, die zur Informations-weitergabe,
zur Kontrolle von Arbeitsverhalten, zur Motivation von Mitarbeitern
oder auch der emotiven Entlastung dient, ist kaum noch mit der Kommunikation
zwischen Organisationen und der Kommunikation mit der Organisationsumwelt
zu vergleichen“. (Six, 1995)
Wurde bereits in der klassischen Organisationswissenschaft Kommunikation
als wichtiges Bindemittel für Organisationen erkannt und so
bezeichnet, finden wir in der Postmoderne Konzeptionen, in der Organisationen
als sozial komplex dynamisches System aufzufassen sind. So kann
aufgezeigt werden, „dass unter postmodernen Gesichtspunkten
nicht mehr die für modernes Management so wichtigen Ziele und
Entscheidungen als zentraler Theoriefokus gelten, sondern Diskurse
und die mit ihnen unmittelbar verbundenen Frage der organisatorischen
Informations- und Kommunikationsprozesse“. (Görres, 1999)
Sprachverwendung und Weltsicht der
Moderne und Postmoderne sind z. B. nicht nur in
der Psychotherapie differenzierend und different (vgl. Poimann,
1996), sondern zeigen allgemein eine Orientierung weg von abstrakten
Konzepten hin zum individuellen Erleben und Gestalten. Nicht von
ungefähr stellt K. Sprenger, der als einer der profiliertesten
Führungsexperten Deutschlands zählt, die Forderung, Führung
komplett neu zu denken, unter den Buchtitel „Aufstand des
Individuums“ (Sprenger, 2000).
Management heißt
indessen, die Motive und Erwartungshaltungen der an einer „Entscheidung
Beteiligten sowie der von ihr Betroffenen aufzunehmen und diese
in der Entscheidung zusammenzuführen. Es geht nicht um die
fortlaufende Anpassung von Zielen, sondern um die Anpassung von
Entscheidungen auf sich ändernde Erwartungshaltungen. Und auch
nur so ist es zu verstehen, dass gerade in Zeiten, die aber nicht
von Kontinuität, Kausalität und Stabilität geprägt
sind, die Zukunft von Organisationen maßgeblich durch die
Qualität der getroffenen Entscheidungen bestimmt wird.“
(Heinl, 1996). Nur so lassen sich im obigen Sinne Qualitätsmanagement
und deren dafür relevante kommunikative Aspekte verorten. Nach
Kurt Levin sei nichts praktischer als eine gute Theorie, so dass
das Folgende Kommunikation begreift als eine pragmatische Herangehensweise
und zum Teil konkrete Handlungsanweisung im Qualitätsalltag.
Diese Entscheidung für die direkte Kommunikation hat den Vorteil,
dass jeder einzelne ohne Umschweife damit beginnen kann, unabhängig
davon, ob er Leute findet, die mit ihm am gleichen Strang ziehen.
Entscheidungen, wie jeder persönlich seine Kommunikation gestaltet,
liegen also alleine bei ihm selbst. Bei dieser Entscheidung ist
jeder absolut autonom. Dass Kommunikation im Sinne von Kausalität
keine sichere Wirkung zu produzieren vermag, sollte sich mittlerweile
ohnehin herumgesprochen haben.
2. Propädeutische Überlegungen
O. Neuberger (1996) hat in prägnanter, knapper und
überzeugender Weise im Buch „Miteinander arbeiten - miteinander
reden“ zusammengefasst, was an Grundlagenwissen und Grundsätzlichem
über Kommunikation in der Arbeitswelt gewusst und gekonnt werden
sollte. Dieses Grundwissen soll hier nicht reproduziert werden.
Kommunikation lässt sich im Qualitätsmanagement nicht
auf den eingängigen Satz „wer sagt wann was zu wem?“
reduzieren. Kommunikation in einer Organisation, die QM betreibt,
wird über kurz oder lang ein integraler Bestandteil eines umfassenden
Informationsmanagements sein müssen, in dem Kommunikationsmanagement
nur ein Teil bewusst und systematisch betriebener Interaktionen
sein kann. Dabei wird nicht nur die neue Informationstechnologie
Einfluss finden müssen, sondern ebenso althergebrachte Kenntnisse
der Gesprächsführung, Behandlungsstrategien, Diskurs-
und Konfliktkultur sowie Informationsflussdarstellung und Kommunikationsnetzwerkanalysen.
Dabei sollte nicht vergessen werden, dass QM eine neue Sprache ins
Krankenhaus bringt, eine eigene Terminologie die die Vielsprachigkeit
des Deutschen um eine weitere Variante ergänzt.

Dabei soll das Missverständnis, dass Kommunikationsmanagement
und Gesprächsführung nur Zeit koste, von Anfang an ausgeräumt
werden. Ebenso wenig wie Gesprächsführung Psychotherapie
darstellt, bedeutet Wissen um kommunikative Strukturen und Aktivitäten
noch lange nicht, dass man sie auch im Alltag, insbesondere unter
Alltagsstress, auch tatsächlich umsetzen kann. Letzteres erfordert
Training, Übung und Erfahrung. Im Einzelgespräch wie in
Gruppen-prozessen treten häufig Grundmuster auf, die einer
effektiven und effizienten Herangehensweise entge-genstehen. So
sind die im Projektmanagement bekannten „Todsünden“
wie „Schuldzuschreibung“, „Ursachenvermutung“
und „rasche Lösungsvorschläge“ das Ende einer
guten Projektarbeit, bevor sie überhaupt begonnen hat, wobei
diese Störfaktoren über sprachliche Strukturen sehr wohl
in den Griff zu bekommen sind (vgl. Poimann & Schuster, 2001).
Was ist nun das Grundlegende der
Kommunikation im QM? Lassen sie es knapp in einem
dreifunktionalen Modell der Kommunikation darstellen:

Die Gewinnung authentischer Information ist die absolut notwendige
Voraussetzung für kooperatives Arbeiten, das effektiv und effizient
sein soll. Wenn man von falschen Informationsbasen ausgeht, um darauf
gemeinsame Projekte und Arbeit zu gründen, lässt sich
das Ergebnis ohne viel Propheterie leicht vorhersagen. So ist die
Gewinnung von authentischer Information in der Anfangsphase, die
Eruierung der Motivationslage von Mitarbeitern, Vorgesetzten, von
Partnerorganisationen etc. genauso relevant wie das Wissen um die
Position von Verhandlungspartnern, zukünftigen Vertragspartnern
oder von zu moderierenden Konfliktparteien. Die Technik einfacher
Fragen ohne persönliche Vor-annahmen (s. Idiolektik) zur Gewinnung
von authentischer Information ist dabei relativ einfach zu handhaben,
wird jedoch häufig nicht praktiziert (Poimann & Schuster,
2000).
Die zweite sehr wichtige Funktion ist Eingehen auf die jeweilige
Situation des Gesprächspartners und das Entwickeln und Aufrechterhalten
einer konstanten verlässlichen Beziehung, nämlich Kooperation,
Transparenz und Qualität, d. h. auch einer Qualität des
Miteinanders, einer Qualität des Vertrauens und einer Qualität
des Menschlichen am Arbeitsplatz. Dies erläutert vielleicht
die Bedeutung der Kommunikation im Rahmen des QM als eine kritische,
konstruktive, nicht eine Form des Disputierens im Sinne einer Eristischen
Dialektik Arthur Schopenhauers (1983), in der es darum geht, um
jeden Preis Recht zu behalten.
Auch Beeinflussung und Verhaltensmodifikation, der letzte Punkt
des dreifunktionalen Kommunikationsmodells, fordern den verschiedenen
Kommunikationspartnern gegenüber eine förderliche Grundhaltung.
Jede Form der direkten und zum Teil der indirekten Kommunikation
lässt sich in
drei grundlegende Formen der sprachlichen
Interaktion aufgliedern, die hier dargestellt werden.
Jede dieser drei Kategorien, das heißt Rhetorik,
Dialektik und Idiolektik, hat ihren ganz speziellen
Einsatzbereich im Rahmen des QM.

Sie unterscheiden sich voneinander grundlegend. Die Ziel-richtung
und Inhalte der einzelnen Kate-gorien als auch der ihnen jeweils
wesent-lich innewohnenden interaktiven Dynamik stellen sich anders
dar. Rhetorik meint
in diesem Zusammenhang all die sprachlichen Mittel, die eingesetzt
werden, um Tatsachen darzustellen, Information zu vermitteln, Sachverhalte
darzustellen etc. Die Dynamik ist in diesem Fall vom Sprecher auf
das Auditorium oder den einzelnen Zuhörer gerichtet, wobei
die Einflussnahme des Sprechers sehr stark ausgeprägt ist,
da er über alle Aspekte wie Inhalt, Darstellung desselben,
Tempo, Zeitverlauf etc. nahezu uneingeschränkt bestimmen kann.
In der Dialektik,
die z. B. Rupert Lay (1987) im Untertitel seines Buches „Dialektik
für Manager“ als Methode des erfolgreichen Angriffs und
der Abwehr kennzeichnet, geht es nicht mehr um sachgerechte Information,
sondern Auseinandersetzung, um Diskussion, um Argumentieren, Diskurs
und Debatte. Die Dynamik ist im besten Falle ausgeglichen, d. h.
die teilnehmenden Parteien haben gleiche Redeanteile, der Informationsfluss
ist weniger unidirektional, sondern ist hin- und herwogend, wobei
zunächst unerheblich ist, ob als Ergebnis wirklich ein Konsens
oder eine Synthese zustande kommt oder die unterschiedlichen Auffassungen
noch deutlicher werden. Dialektische Situationen im QM sind häufig
anzutreffen, und es ist wünschenswert, diese als produktives
Element zu gestalten und nicht in „endlosen Diskussionen zu
versinken“.
Die Idiolektik (vgl.
Poimann, 2000) als dritte Kategorie, die damit den Werkzeugkasten
der grundlegenden kommunikativen Techniken beschließt, ermöglicht
es, Information zu gewinnen. Der aktiv Fragende sorgt durch die
Art und Weise, wie
er Fragen stellt, dass es dem Befragten ermöglicht wird, möglichst
authentische Information beizutragen. Demzufolge ist die beobachtende
Dynamik ein Informationsfluss vom Befragten zum Frager und im Idealfall
ebenso unidirektional, wie die optimierte Informationsvermittlung
im Falle der Rhetorik, lediglich in der umgekehrten Richtung. Das
Wort Idiolektik ist abgeleitet vom Begriff Idiolekt, der so definiert
wird:
„Die Sprachmuster, die eine Person verwendet inklusiv all
ihrer phonetischen, grammatikalischen und die Wortwahl betreffenden
Vorlieben. Ein Sprecher kann im Rahmen seines Idiolektes verschiedene
Sprachstile haben, wobei er jeweils eine Version seiner Sprachmuster
für einen bestimmten sozialen Kontext einsetzt. Darüber
hinaus bilden die verschiedenen Idiolekte einer Gruppe von Sprechern,
sei dies nun regional oder einer sozialen Schicht, einen bestimmten
Dialekt.“ (Encyc. Brit.)
3. Implementierung von Qualitätsmanagement
Im Folgenden werden weiter ausdifferenzierte Kommunikationsmittel
und -techniken vorgestellt, die in den fünf Phasen der Imple-mentierung
des QM in Gesundheits-organisationen (GeOrg) notwendig und zweckmäßig
sind.

Die fünf Phasen unterliegen in der Trennung voneinander eher
einer virtuellen Abgrenzung, haben sich aber in der konkreten Einführung
von QM in verschieden großen Organisationen in dieser Form
bewährt. (vgl. Poimann, 2001)
Erste Phase: Einführung des Qualitätsmanagements:
Ganz am Anfang, d. h. eigentlich vor Beginn der eigentlichen Implementierung,
gibt es vorrangig drei Ziele:
herauszufinden, wie der gegenwärtige Motivationsstatus möglicher
mitwirkender Organisationsmitglieder aussieht.
Sicherzustellen und zu signalisieren, was die Gesundheitsorganisation
anstrebt und will sowie
im Vorfeld geschickt mit Einwänden umzugehen und Verhandlungen
zu führen gegebenenfalls unentschiedene Organisationsmitglieder
zu motivieren und zu überzeugen.

Eines der wichtigsten kommunikativen Mittel der frühen Einführungsphase
sind Gespräche, und zwar in der Regel Vier-Augen-Gespräche.
Erfahrene Protagonisten im QM sind sich darüber einig, dass
in der Einführungs- und Aufbauphase des QM-Systems die direkte
Kommunikation, zum Großteil unter vier Augen, ausschlaggebend
für den Erfolg und die Umsetzung des QM ist. Nagorny (1998)
spricht von 80 % der Tätigkeiten im ersten Jahr, die Vier-Augen-Kommunikation
betreffen. Ähnliche Bedeutung wird der Kommunikation von Qualitätsmanagern
an großen Krankenhäusern zugeschrieben. Nach Angaben
der Qualitätsmanagerin M. Ernst wäre am allgemeinen Krankenhaus
in Wien die Einführung des QM nahezu an kommunikativen Barrieren
gescheitert (3. Deutscher Qualitätstag im Gesundheitswesen,
Frankfurt 1999). Auch der Qualitätsmanager im Klinikverbund
Augsburg R. Schaar (2000) weiß über kommunikative Schwierigkeiten
im QM zu berichten. Diese großen Gesundheitseinrichtungen
sind stellvertretend für die sich fast mit Sicherheit einstellende
Problematik am Beginn des QM. Aus diesem Grund ist es in dieser
Phase besonders wichtig, via authentischer Informationen einen guten
Überblick über den status quo zu erhalten und gleichzeitig
auch Leute in ihrer Motivationsbasis zu festigen und eine Vertrauensbasis
aufzubauen, die für eine Kooperation im QM wirbt. Die Idiolektische
Methode zeichnet sich in dieser Phase als das dafür geeignete
Instrument aus, ganz im Sinne der Dreifunktionalität, um in
der Kommunikation eingesetzt zu werden und zu wirken: authentische
Information erhalten, Vertrauen schaffen, Verhalten modifizieren.
Ähnlich wie adäquate interaktive Techniken im Umgang mit
dem Einzelnen ist es notwendig, in der Einführungsphase in
Gruppen adäquat zu moderieren und dazu das notwendige Handwerkszeug
zu beherrschen. Auch hier geht es in der Anfangsphase zunächst
um Gewinnung von authentischer Information, die es ermöglicht
motivational zu arbeiten. Folgende Fragen und Themenbereiche sollten
angegangen werden:
Welche Ideen gibt es, die man umzusetzen kann? Welche Vorschläge
gibt es zur Verbesserung? Könnten diese umgesetzt werden? All
das sollte in der Anfangsphase nach den bekannten Erfolgskriterien
des QM´s erfolgen, nämlich kleine, einfache, kurze Projekte
einleiten, die sich erfolgreich abschließen lassen.
Andererseits ist es äußerst wichtig, bei der Vermittlung
von Informationen über QM auf häufig anzutreffende Missverständnisse
und Sprachverwirrung Rücksicht zu nehmen und gut vorbereitete
Präsentationen durchzuführen. Nur so ist es möglich,
Ideen und Konzepte der Organisation an die Einzelnen heranzutragen,
ohne Widerstände zu produzieren. Dafür sind Grundkenntnisse
und Grundfertigkeiten der Präsentation notwendig und in der
Regel eine Schulung angesagt. Unter den vorgenannten Voraussetzungen
lässt sich dann auch eine Kick-Off-Veranstaltung so umsetzen,
dass sie erfolgreich den Markstein im Alltag einer Organisation
darstellt, die Mitarbeiter aufrüttelt und sie aktiviert, ein
QM-System aufzubauen. Trotz allem wird es nicht ohne stringentes
Verhandeln abgehen, das vor allem im Vorfeld stattfinden muss, um
zu verhindern, dass sich regelrechte Widerstandsnester bilden oder
Aussitzstrategien konsequent durchgehalten werden. Auch Verhandeln
soll und muss gelernt werden.

Bestimmte Grundsätze sollten dabei prinzipiell eingehalten
werden. Es empfiehlt sich auch hier, die Qualitätsmanagementbeauf-tragten
im QM adäquat zu schulen, so dass es möglich ist, in der
Regel auf realistischen Vorurteilen beruhende Fehl-einschätzungen
auszuräumen, ohne z. B. bei den Gesprächspartnern einen
Ge-sichtsverlust zu produzieren. So ist es letztlich möglich,
Leute, die dem QM skeptisch oder äußerst kritisch gegenüberstehen,
dafür zu aktivieren.
Zweite Phase: Aufbau des QM-Systems
In der zweiten Phase kommt es zum echten Aufbruch der Organisation,
in der eine Vielzahl von Mitarbeitern in Aktivitäten für
Qualitätsarbeit integriert werden. In dieser Phase ist der
top-down-Ansatz zwingend, d. h. Anleiten und Koordinieren muss vom
Management so durchgeführt werden, dass es durch Beispiel und
Engagement der Führungsmannschaft und des Topmanagements klar
wird, dass QM unbedingt gewünscht und gefordert ist. Insbesondere
dem Führungsaspekt kommt in dieser Phase besondere Bedeutung
zu.

QM lebt in dieser Phase zu großen Teilen von Gruppenprozessen,
für die es geeignete Moderatoren auszubilden gilt. In den einzelnen
Qualitätsteams, Zirkeln etc. findet interdisziplinäre
Gruppen-arbeit statt, die ihre ganz besonderen Herausforderungen
aufweist. Führen und Gruppenleiten im QM mit meist inhomo-genen
Gruppen, was Hierarchie, Ausbildung, Sprache und Wissensstandards
betrifft, bedeutet nicht nur, qualifiziert leiten zu können,
sondern auch über entsprechende Gruppenprozesse und Gruppendynamik
Bescheid zu wissen.
Verschiedene Konzepte über Gruppenentwicklung sind sich alle
darüber einig, dass in der Regel vier trennbare Phasen auszumachen
sind: Erst eine Orientierungsphase der Mitglieder, danach eine Phase
der Auseinandersetzung, in der dritten Phase Zueinanderfinden und
Regelungen aufbauend, um letztlich in der vierten Phase gute Leistungen
kooperativ zu erbringen. Es gibt Konzepte, in der die dritte Phase
über adäquate Gruppenführung und Leitung schon zum
Teil in die erste Phase einge-bracht werden kann und so rascher
ein leistungsstarkes Team entsteht.

Eine gute Gruppenleitung ist in der Lage, die einzelnen Phasen
zu differenzieren und adäquat mit der Dynamik und dem Verhalten
der Mitglieder in diesen Phasen umzugehen. Neben guten Formen der
Moderation sind konsequente kooperative Formen des feedback-Gebens
notwendig und Erfahrung im Konfliktmanagement. Es geht darum, Konflikte
rechtzeitig zu erkennen und adäquat zu behandeln.
Führen heißt zunächst Festlegen, mit welchem Stil,
mit welcher Methodik geführt wird und welche Führungsaufgaben
zu erfüllen sind.

Die Diskussion, welcher Führungsstil der Bessere ist, ist
sicher zugunsten eines situationsbezogenen Führungsstils entschieden.
Führungstechnisch sind beim einzelnen Mitarbeiter Fähigkeiten
und Einsatzbereitschaft zu berücksichtigen, sowie bei Gruppen
die entsprechenden Gruppen-phasen. Eine Rolle spielen sollte, zu
welchem Zeitpunkt welche Form von Führungsstil Anwendung findet.
Management, Führung und Leitung ist im QM wesentlich als koordinative
teambezogene Aufgabe vor allem im QM gefordert, die im Routinealltag
zur Wertschöpfung und zur Integration des QM´s zu leisten
ist.
Speziell Gruppenleitung bedeutet auf verschiedenen organisatorischen
Ebenen eine differenzierte Form der Moderation durchzuführen.
Es ist ein großer Unterschied, ob man eine Steuer- und Lenkungsgruppe
moderiert, einen Qualitätszirkel des QM-Teams oder eine Arbeitsbesprechung
auf einer Station.

Moderationstechniken in der zweiten Aufbauphase des QM fordern
ein Minimum an Grundausbildung, steuerbare Vorgaben, Standards und
Übung, um Qualitätszirkel über Höhen und Tiefen
zu Ergebnissen zu führen.
Vor allem der Umgang mit inadäquaten Verhaltensweisen, z.
B. Schuldzuweisungen, Ursachen-vermutungen, vorschnellen Lö-sungsangeboten,
profilneurotischen Mitarbeitern oder Mitarbeitern, die sich schwer
aus der Reserve locken lassen, sind eine Herausforderung an jeden
Moderator. Speziell bei sich anbahnenden Konflikten ist es notwendig,
diese rasch zu erkennen, um Gegenmaßnahmen einsetzen zu können,
d. h. zu erkennen, auf welcher Eskalationsstufe sich ein Konflikt
befindet, inwieweit die beteiligten Konfliktparteien bereits eingestiegen
sind, welche der drei grundsätzlichen Lösungsmöglichkeiten,
nämlich Verhandlung, Schiedsspruch oder auskämpfen lassen,
in der jeweiligen Situation am sinnvollsten sind. Vor allem ist
es wichtig zu unterscheiden zwischen Problemen und Konflikten.
Probleme kennzeichnen sich durch einen Spannungszustand zwischen
einer momentanen Ist-Situation und einem geplanten Soll-Zustand
und sind meistens relativ einfach über hergebrachte Problemlösungsheuristiken
zu bearbeiten und zu lösen.

Der Konflikt hingegen ist immer die Spannung zweier gleichzeitiger,
gegensätzlicher und unvereinbarer Ist-Soll-Diskrepanzen. Im Konfliktmanagement
sind eine Reihe von Deeskalationstechniken im Rahmen von Gruppenleitung
und Führung hilfreich und notwendig. Denn diese ermöglichen
es, adäquat einzugreifen. (vgl. Edelman, 1999 und Schaar, R.,
2000)
Mitarbeitermotivation lebt von den drei kleinen f´s, nämlich
finales Denken, fascination und feedback,(vgl. Müller, K.,
1998) Als Hinweis mag zum Einsatz von feedback hier noch gelten,
dass es ein Unterschied ist, ob das feedback auf gleicher Ebene
im Team oder von oben nach unten gegeben wird oder aber feedback
an die Vorgesetzten gegeben werden muss. (vgl. U. König, 2000)
Grundsätzlich sind verschiedene Strategien und Vorgehensweisen
notwendig. Des weiteren sind in der Aufbauphase von QM eine Reihe
von Kommunikationstools im Routineeinsatz angesagt, die üblicherweise
im Personalmanagement Einsatz finden, neben Motivationsgesprächen,
auch Gespräche zur Delegation, Kritikgespräche etc.
Dritte Phase: Interne Überprüfungsverfahren
Nachdem das QM-System in wesentlichen Teilen realisiert wurde,
gilt es auch bereits während der Implementierung, intern zu
überprüfen, inwieweit ein funktionierendes QM-System besteht.
Dazu gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, von denen hier einige
exemplarisch aufgeführt werden.
Grundlegend sind eine Informationsfluss- uns Kommunikationsnetz-Analyse
im Unternehmen, z. B.:
Wie funktioniert der Informationsfluss im Unternehmen z. B. anhand
der technischen Voraus-setzungen wie Telefon, Intranet, Rufanlagen,
Postanlagen etc.

Eine Analyse der Informationsflüsse sollte sowohl offzielle,
offiziöse und paraoffizielle Verbreitungswege berück-sichtigen.
Eine Informationsflussdarstellung wäre auch anhand von Netzanalysen
oder durch Matrixdarstellungen machbar.
Die häufigste Form interner Überprüfungsverfahren
ist das interne Audit. Interne Audits stellen keine geringe kommunikative
Herausforderung dar.
Zum einen findet ein Überprüfungsverfahren statt, d. h.
was ist tatsächlich vom geforderten Qualitätsanspruch
her umgesetzt worden, ggf. besteht Konformität zur Norm, d.
h. was ist von zu fordernden Qualitätssystemen umgesetzt worden,
z. B. ISO 9001 und der KTQ®.
Zum anderen soll die nach außen gelebte Haltung des internen
Auditors im Audit dazu führen, dass Mitarbeiter nicht demotiviert
werden, sondern bereit sind, eine Fehlerkultur zu pflegen, aus Fehlern
zu lernen und ihre Organisation weiter zu verbessern.
Es ist wichtig, gute Fragetechniken zu entwickeln, die kooperativ
und kollegial Ist-Situationen authentisch zu Tage fördern.
Für das interne Audit gibt es in der konkreten und erfolgreichen
Durchführung verschiedene kommunikative Aspekte:
- adäquate Fragetechniken
- Umgang mit schwierigen Mitarbeitern
- Umgang mit den gemachten Erfahrungen und Beobachtungen,
z. B. Konfrontation mit Fehlern, etc.
- Informationsweitergabe in geeigneter Form und
feedback an die Auditierten
- Berichterstellung und abschließende Dokumentation.
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In vielen Führungsbereichen lebt die Vermittlung des QM von persönlichen
kommunikativen Kompetenzen. Als letzter Punkt im Rahmen interner Überprüfungsverfahren
sollte ein dafür wesentlicher Managementstil nicht unerwähnt
bleiben, nämlich management by walk-about, wobei die Leitung
und Management vor Ort im Plauderton authentische Informationen über
den Ist-Status, das Arbeitsklima etc. erwerben kann.
Vierte Phase: Externe Darlegungsmöglichkeiten
Ein wichtiger Meilenstein im Qualitätsaufbau und Management
einer Organisation ist die Darlegung geleisteter Qualität für
die Darstellung nach außen und der Erwerb entsprechender Bestätigung,
d. h. z. B. ein DIN EN ISO Zertifikat (vgl. Meier, U. und Poimann,
H., 2001).

Für die dazu notwendige Berichterstellung sind eine Reihe
koordinativer und kooperativer Tätigkeiten notwendig, die wieder
spezielle kommunikative Fertigkeiten ver-langen. Eine Reihe von
Rahmenbedingungen sind zu berücksichtigen: es muss geregelt
werden, wer zuständig ist für die Sammlung der einzelnen
Daten, es muss die Organisationsgröße berücksichtigt
werden, Koordination verschiedener parallel arbeitender Mitarbeiter.
Es muss eine einheitliche Zusammenfassung der Daten und Inhalte
geben, in der der Auditor als zukünftiger Kunde betrachtet
wird und seine arbeits-, d. h. auditbezogenen Interessen mitberücksichtigt
werden, insbesondere auch eine klare Sprachfestlegung und Sprachregelung
in einer organisationsintern einheitlichen Terminologie.
Die Form, in der eine Berichterstellung erfolgt, ist wesentlich.
Die großen Systeme, die gegenwärtig im Krankenhaus und
in Praxen eingesetzt werden, nämlich die ISO Zertifizierung
und das EFQM-Assessment, die KTQ®-Zertifizierung und die Akkreditierung
nach JCIA legen jeweils ihren eigenen Sprachstil und ihre eigene
Terminologie, Beispiele usw. fest (vgl. Poimann et al., 2001, Neurotransmitter).

Eine besondere Aufgabe und Herausforderung stellt die Visitation
(site visit) dar. Im ISO-Zertifizierungsaudit, im EFQM-Assessment,
in der KTQ®-Visitation bedeutet das, wie gehe ich adäquat
mit den jeweiligen „Prüfern“ um. Auf der anderen
Seite ist es notwendig, dass auch ausgebildete Visitoren, Assessoren,
Auditoren etc. ein adäquates Auditverhalten an den Tag legen.
So fordert z. B. die KTQ® von ihren Visitoren ein u. a. festgelegtes
professionelles Verhalten vor Ort.
Alle diese Verhaltensweisen werden im Visitorentraining der KTQ®,
das über eine Woche abläuft, ausführlich trainiert
und im Begleitassessment sowohl während der Trainingsphase
als auch in der realen Ausführungsphase wiederholt bewertet.
Alle kommunikativen Fertigkeiten werden weiter ausdifferenziert.
Hier sei nur der vierte Bereich „Interne Kommunikation im
Visitoren-team“ weiter aufgegliedert:
4. Interne Kommunikation
• effektiver Informationsaustausch
• kollegialer Abgleich der Bewertung
• Konsensfindung
• kollegialer Dialog
Fünfte Phase: Aufrechterhaltung des Systems

Es zeigt sich, dass nach erfolgreicher Absolvierung der externen
Darstellung einer Gesundheitsorganisation und nach Erhalt einer
entsprechenden Bestätigung von außen, z. B. feedback-Bericht
beim EFQM-Assessment oder ein DIN EN ISO Zertifikat 9001 bzw. ein
Zertifikat der KTQ®, in der Regel nach kurzer Begeisterung,
die Bestrebungen das QM-System mit viel Schwung weiterzuführen,
sehr rasch zum Erliegen kommen. Jetzt beweist eine gute Führungsmannschaft
durch geeignete Maßnahmen, die Motivation und Qualitätsarbeit
aufrecht zu erhalten. Insbesondere kommunikativ ist es wichtig,
in der Leitungsgruppe, in Projekten und im Management beim Umgang
mit Beschwerden und Belobigungen auf die jeweiligen Gruppen adäquat
einzugehen.
Ein funktionierendes Qualitätsmanagement wird ein systematisches
Kommunikationsmanagement eingeführt haben, was sich natürlich
im Sinne eines PDCA-Cyclus darstellen lässt.

Kommunikationsmanagement ließe sich analog zu Qualitätsmanagement
definieren als „aufeinander abgestimmte Tätigkeiten zur
Lenkung und Leitung einer Organisation bezüglich der Kommunikation“,
d. h. aufbauend auf eine vorhandene Kommunikationsstruktur im Krankenhaus,
die durch Kommunikationswege, Kommunikationstechnik, Kommunikationsregeln
und eine bestehende Hierarchie (formell/informell, vertikal/horizontal)
vorhan-den ist.
Dazu kommen Voraus-setzungen wie Mitarbeiter-bereitschaft, Zeiten
und Örtlichkeiten etc., sowie eine bestehende Kommunikationskultur
z. B. mit verbindli-chen Regeln, einer Streit-kultur, die zwischen
Sach-lichem und Persönlichem trennen kann, Beschwerdemanagement,
Verbindlichkeiten, Ergebnisse sind für jeden transparent einsehbar,
die Kommunikation erfolgt regelmäßig im adäquaten
Zeitrahmen, berufsübergreifend, gleichberechtigt, dazu notwendige
Schulungen. In dieser Weise systematisch betrachtet und angegangen,
können kommunikative Anforderungen und Probleme in adäquater
Weise gelöst werden.
Elemente einer optimalen Kommunikation könnten somit als Zielvorstellung
dienen, die dann entsprechend umgesetzt im Sinne des PDCA-Cyclus
auch überprüfbar wird und weiterent-wickelbar. So könnte
z. B. die Anzahl der personellen Begegnungen und Gesprächssituationen
wie zum Beispiel allgemeine Stationsbesprechungen, Sprechstunden,
Qualitätszirkel, Assistentenbesprechungen, Visite, Mitarbeitergespräche,
Klinikkonferenz, Röntgenbesprechungen etc. erfasst werden und
entsprechend der allgemeinen Qualitäts- und Krankenhauspolitik
bewertet und entsprechend strukturiert werden.
Die Kommunikationsprozesse sind dabei in ein umfassendes Informationsmanagement
eingebettet, d. h. in einem modernen Organisationssystem, z. B.
eines management by processes, (s. Abbildung) besteht ein Informationsmanagementprozess
als Supportprozess.

Ein Informationsmanagementprozess, der in systematischer Form
den Bedarf an Information ermittelt, entsprechend selektiert, plant,
die Durchführung monitort, evaluiert und über Reviews
den Prozess insgesamt steuert. Inhaltlich wird dieser Informations-managementprozess
folgende Berei-che abdecken müssen, nämlich Wissensmanagement,
PR-Maßnahmen, Logistik, Kommunikation und Informa-tionstechnologie.
Eine ausführliche Darstellung eines Informationsmana-gementsystems
muss an anderer Stelle erfolgen.
Im Prozessmanagement, egal ob bei Projektarbeit oder in einzelnen
kontinuierlichen Prozessgruppen, sollten adäquate kommunikative
Mittel Einsatz finden, z. B. ein prozessorientiertes Kommunikationssystem,
das es erlaubt, ziel- und aufgabenbezogen zu arbeiten, Störelemente
adäquat zu erkennen und an dafür vorgesehenen Stellen
zu behandeln, nicht jedoch während der Projekt- und Prozessarbeit.
Bei adäquater Projektarbeit sind die weiter oben angeführten
Störelemente für Gruppendynamik und Gruppenaktivität
nochmals zu erwähnen, die auf der einen Seite dazu führen,
dass es eine Reihe von Störungen im emotional-kommunikativen
Bereich gibt, die ein kontinuierliches, systematisches Arbeiten
behindern, sowie eine Reihe von Abweichungen, die die vorgegebenen
Arbeitsweisen und Methodiken vergessen und ad hoc neue Lösungsmöglichkeiten
einführen. Dafür sollte eine Kommunikation eingeführt
werden, die für ein Projekt phasenspezifisch für jede
einzelne Phase des Projektes adäquat als Instrument dient.
So zum Beispiel ist zu Beginn der Projektarbeit, während Ideen
und Möglichkeiten gesammelt werden, eine Diskussion obsolet.
Andererseits ist in einer späteren Phase, wenn es um die Umsetzung
von festgelegten Weg-Ziel-Plänen geht, nicht mehr notwendig,
die Ausgangsbedingungen und möglicherweise noch andere Faktoren
zu diskutieren, sondern dann sollte die Kommunikation eingesetzt
werden, um effizient zu arbeiten.

Ein dafür geeignetes und erprobtes Kommunikationssystem stellt
PROCO dar, das heißt „prozessorientierte Kommunikation“,
die sicherstellt, dass die einzelnen Mitarbeiter mit Kommunikationsstrukturen
und mit Kommunikationsmitteln arbeiten, die prozess- und zielbezogen
sind, wobei sichergestellt ist, dass auftauchende Störungen
und neue Ideen bewahrt werden und zu einem dafür vor-gesehenen
Zeitpunkt be-arbeitet werden können.
Dieses Kommunikations-modell für Prozess- und Projektarbeit
ist in kurzer Zeit von einer Arbeitsgruppe oder Projektgruppe zu
erlernen und bietet ein stringentes Werkzeug einer funktionellen
Kommunika-tion, unbefrachtet mit psychotherapeutisch-ideologischen
Annahmen.
4. Erfolgsfaktoren des Qualitätsmanagements
Kommunikation wird dann erfolgreich sein, wenn man im Sinne von
Qualitätsmanagement und ständiger Verbesserung die einzelnen
Aspekte von Kommunikation plant, durchführt, überprüft
und aus den Ergebnissen lernt und bereit ist, neue Erkenntnisse
für das eigene Verhalten zu nützen.
Im Kommunikationsalltag, das heißt im Arbeitsalltag, geht
eine Reihe von Informationen verloren. Wenn man nur aus didaktischen
Gründen fünf einzelne Schritte, wie nebenstehend abgebildet,
annimmt, gibt es von der Zielvorstellung, was man gerne möchte,
was getan werden soll, was verändert werden soll, bis hin zur
Umsetzung eine Reihe von Störpotentialen, die eine 1:1-Umsetzung
verhindern.

Der erste Schritt ist, dass viele Dinge, die gemeint sind, in
dieser Form nicht klar ausgesprochen werden, bzw. Hintergrundinformation,
die mitgedacht wird, dem Gesprächspartner aber nicht bekannt
ist, nicht ausgesprochen wird, und es kommt so zur ersten Informationsreduktion.
Selbst wenn es excellent umgesetzt ist und ausgesprochen ist, heißt
das noch lange nicht, dass es gehört worden ist, sei es, weil
der Gesprächspartner nicht aufmerksam ist, sei es, weil es
akustische Störfaktoren gibt, wie laute Geräusche oder
ein Hörfehler des Partners. Im nächsten Schritt wird das
Gehörte umgesetzt, und es ist gut möglich, dass es nicht
verstanden worden ist, sei es, weil das Gehörte in einer Sprache
und Terminologie gesagt wurde, die nicht bekannt ist und so nicht
verstanden werden kann, sei es, weil die Konzepte zu komplex sind,
sei es, weil es an Grundwissen fehlt. Nehmen wir an, es ist verstanden
worden, dann heißt das noch lange nicht, dass es so auch gewollt
wird – häufig wird erst dann, nachdem eine geplante Veränderung
verstanden worden ist, das Widerstandspotential erst richtig aktiviert.
Und auch für den Fall, dass etwas gewollt ist, gibt es eine
Reihe von Bedingungen, die verhindern, dass es tatsächlich
umgesetzt wird. Ob es, selbst wenn es gut umgesetzt wird, tatsächlich
langfristig in einem vernetzten und komplexen System das Ergebnis
zeigt, das wir gerne gehabt hätten, ist noch eine andere Frage.
Aber wenn wir diese fünf Stufen der Informationsreduktion,
das heißt der potentiellen Informationsreduktion, nur mit
jeweils 10% Informationsverlust bzw. Effizienzverlust verstehen,
dann kommt bei fünf Stufen maximal noch die Hälfte von
dem heraus, was wir eigentlich gemeint haben. Im Sinne einer kritisch-konstruktiven
Kommunikation wäre nun zu überlegen, wie die einzelnen
Stufen optimiert werden können. Bei immer wiederkehrenden Missverständnissen
dienen diese Stufen ausgezeichnet dazu, festzustellen, an welchen
Stellen Verbesserungspotential am besten genutzt werden kann.
Folgende Fragen dienen einer weiteren Analyse:
• Bin ich in der Lage, das, was ich meine, auch tatsächlich
so zu formulieren? • Ist sichergestellt, dass das
Gesagte auch gehört wurde? • Wie wird überprüft,
ob das Gehörte auch verstanden wird? • Gibt es
ein Einverständnis mit dem, was gesagt wurde? •
Was hindert Leute daran, die Dinge umzusetzen, wenn sie sie
umsetzen möchten? |
Auf jeder dieser Stufen gibt es eine Reihe von Fragen, die gut
dazu dienen, primäre Missverständnisse auszuräumen.
R. Schaar (2000) nennt als bedeutsame Kommunikationsstörungen
bei der Einführung von QM:
1. Die Sprache wird nicht verstanden
2. QM wird als Bedrohung empfunden
3. Es wird zu wenig über QM kommuniziert
4. QM wird als zielloses Palavern interpretiert
5. Der interprofessionelle Dialog entwickelt sich nicht. |
Er entwickelt daraus eine Reihe von Empfehlungen für QM-Multiplikatoren,
z. B. die Sprache der Mitarbeiter verwenden und auf Qualitätsmanagement-Jargon
und Fremdwörter verzichten; QM als Chance und Möglichkeit
für die Zukunft darstellen und mitteilen, was bereits erreicht
wurde; rechtzeitig über geplante Veränderungen informieren,
alle Informationskanäle nützen, berufsgruppenübergreifende
Ausbildungen und Veranstaltungen sowie interprofessionelle Besprechungen.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass es, wo immer möglich,
eine zielgerichtete Moderation geben soll, Besprechungen sollten
konsequent durchgeführt werden und in einen Maßnahmenplan
münden. Wichtig erscheint ihm, bei Konflikten eine konsequente
Intervention mit den Mitteln der Thematisierung, der Moderation,
der Mediation und letztlich die Entscheidung anhand verfügbarer
Machtverhältnisse im Sinne eines Eingriffes, z. B. ein Machtwort
sprechen etc., oder eines Schiedsverfahrens.
Was sind nun kritische Erfolgsfaktoren für die Kommunikation?
- Die Leitung unterstützt den Gedanken des QM voll
inhaltlich
- Kommunikative Aspekte werden vorgelebt, und sie werden
als Führungsaufgabe verstanden
- Es findet eine offene und transparente Kommunikation
statt
- Die Qualitätsmanagement-Beauftragten sind hochkommunikativ
- Es herrscht ein Klima der Offenheit
- Zuhören gehört zur Kommunikationskultur
- Die Mitarbeiter werden von Anfang an einbezogen, und
es wird auf sie gehört
- Know-how wird an die Mitarbeiter herangebracht, z. B.
Kommunikationstraining, z. B. Moderationstraining
- Es besteht eine Fehlerkultur ohne Schuldzuweisungsrituale
- Es gibt ein funktionierendes Beschwerdesystem für
die Mitarbeiter
- Supervision für Organisationsmitglieder auf allen
Ebenen
- Es wird gelobt, und Lob ist nicht als versteckter Kritikweichmacher
instrumentalisiert
- Es besteht Verlässlichkeit, und Zusagen werden eingehalten.
|
6. Zusammenfassung:
Kommunikation im Qualitätsmanagement lässt sich auf drei
wesentliche Komponenten reduzieren, nämlich
• adäquate Gesprächsführung, •
richtige Präsentation und • situationsspezifische
Moderation. |
Das bedeutet für Gespräche, in guter Form Information
erhalten, Information weitergeben und Information austauschen, das
heißt in geregelter Art und Weise diskutieren und argumentieren;
beim Präsentieren kommt es auf die adäquate Darstellung
von Inhalten und die daraus gewonnene Überzeugung der Zuhörer
an: beim Moderieren steht der richtige Umgang mit Gruppen und prozessorientierte
Kommunikation im Vordergrund.
Die dafür geeigneten Methoden sind leider nicht nur über
schiere Wissensvermittlung, z. B. durch Literaturstudium zu erwerben,
sondern sind als praktisches Handwerkszeug zu erlernen. Sprache,
als Instrument verwendet, erfordert demnach Wissen, Übung,
Umsetzen und Erfahrung, damit sie als Werkzeug wirklich professionell
Einsatz finden kann.
Speziell im Bereich der Gesprächsführung wird häufig
noch angenommen, dass Alltagserfahrung und unbewusst gemachte Berufserfahrung
schon genüge, um professionell zu kommunizieren. Spätestens
deutlich wird es bei Gesprächen im Personalbereich in Form
von Kritik-, Motivations- oder Delegationsgesprächen. Auch
bei Beherrschung der entsprechenden kommunikativen Mittel und richtiger
Auswahl der Methode für eine bestimmte Situation liegt die
große Kunst der Kommunikation in der Zielauswahl, und damit
in dem, was erreicht werden soll bzw. was erreicht werden kann.
In vielen Bereichen sind die Dinge des Machbaren viel zu hoch angesetzt
und die Zielselektion bzw. das erwünschte Ergebnis schlichtweg
unrealistisch. Wunschdenken führt hier – wie in jeder
anderen Form der Alltagsbewältigung auch – zum Scheitern.
Kommunikative Kompetenz zeichnet sich in der Regel dadurch aus,
dass im Rahmen einer kooperativen Grundhaltung kleine, erfolgreiche
gemeinsame Ziele anvisiert werden. Über das so geschaffene
Vertrauen und Selbstvertrauen ist weiteres möglich. Auch ausdifferenziertes
Informationsmanagement und Kommunikationssysteme können eine
kooperative Grundhaltung, Zivilcourage und Charakterstärke
nicht ersetzen, und schon gar nicht erzwingen.
Literatur beim Verfasser.
Für die Autoren:
Dr. med. Dipl. Psych. H. Poimann
Facharzt für Neurochirurgie
Neurochirurgische Gemeinschafts-
praxis Drs. Poimann, Fröhlich, Popp
Haugerring 2, D-97070 Würzburg
email: poimann@neurochirurgie.com
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