10 Erfolgstips für QM-Beauftragte


Gabriele Schuster, Horst Poimann, Uwe Meier

Die Ernennung zur QM-Beauftragten (QMB) verändert das Berufsbild einer Arzthelferin grundlegend. Im Rahmen des PQM-Neuro-Projektes des Berufsverbandes Deutscher Neurologen (BDN) haben wir die jungen Damen, die als QM-Beauftragte tätig sind, gefragt, welche Tipps sie angehenden Kolleginnen mit auf den Weg geben würden. Die Hinweise der QMBs, die wir Ihnen im Folgenden präsentieren dürfen, haben wir ergänzt um die eine oder andere Erfahrung aus der QM-Tätigkeit des Athene- und des Eddie-Teams.

Ein ganz herzliches Dankeschön geht an dieser Stelle an die QMBs für Ihre Unterstützung!

1. Erwartungen des Praxisinhabers vor dem Arbeitsbeginn als QMB erfragen und fixieren.

Vor Beginn der Tätigkeit als QMB empfiehlt es sich sehr, die Erwartungen der Praxisinhaber zu erfragen, die diese an das QM-System und „ihre“ QMB stellen.
Steht an oberster Stelle z.B. das Ziel, die Praxis zu verbessern und Innovationspotential freizusetzen, muss die Planung der Implementierung des Systems zunächst einmal auf der Durchführung von Verbesserungsprojekten basieren. Der Aufbau der Dokumentation steht dann an zweiter Stelle der Prioritätenskala. Ganz anders verhält es sich, wenn die Praxisführung den Schwerpunkt auf die Erreichung des Zertifikates legt und im Grunde gar nicht so viel verändern oder verbessern möchte.
Im Rahmen der Implementierung eines QM-Systems kommt es bisweilen vor, dass sich die Erwartungen der Praxisführung an die QMBs verändern. Ein Protokoll über die Erwartungen der Praxisleitung hilft, dies transparent und nachvollziehbar zu machen. Auch hilft ein solches Gespräch, Erwartungen, welche die QMB nicht erfüllen kann oder möchte, von Anfang an proaktiv und transparent anzusprechen. Dies ist im Vergleich zu einem unausgesprochenen, prolongierten Konflikt der günstigere Weg.

2. Zeit für QM durchsetzen

Die Einführung eines QM-Systems kann nur dann erfolgreich sein, wenn wenigstens ein Minimum an Zeit dafür zur Verfügung steht. Wie viel Zeit dies ist, wann diese erbracht werden soll und wie diese vergütet wird sollte vor dem Start der Tätigkeit als QMB geklärt sein. Fast alle QMBs machen zu Beginn ihrer Arbeit die Erfahrung, dass das Ende der geplanten QM-Zeit für den aktuellen Tag meist mit Worten eines Mitarbeiters beginn wie „Ach, könnten Sie nicht mal eben…?“.
Prinzipiell stellt es überhaupt kein Problem dar, in schwierigen Zeiten die Zeit für QM anderen Tätigkeiten zu opfern. Im Gegenteil, bisweilen ist dies für die Sicherstellung der Patientenversorgung sogar notwendig.
Wird es jedoch zu Regel (spätestens ab dem dritten Mal in Folge) empfiehlt sich dringend ein strategisches Gespräch mit der Praxisleitung, in dem nochmals hinterfragt wird, wie wichtig QM tatsächlich für die Praxisführung ist, wie viel Zeit in Wirklichkeit für QM zur Verfügung steht, wie viel in dieser Zeit geleistet werden kann und wie die Verfügbarkeit dieser Zeit sichergestellt werden kann. Das Gespräch sollte protokolliert werden.
Dies ist im Vergleich zum unausgesprochenen Dahinschleppen nicht erledigter QM-Tätigkeit mit abschließendem Konflikt wegen nicht erfüllter Erwartungen der Praxisleitung die wesentlich günstigere Vorgehensweise.

3. Herausfinden, was die Mitarbeiter wirklich wollen

Die erfolgreichste Strategie zur Motivation von Mitarbeitern (nicht nur im QM) ist, herauszufinden, was den Mitarbeiter tatsächlich interessiert und ihnen im Rahmen des QMs die Möglichkeit zu geben, dieses zu realisieren. Im Folgenden einige Beispiele:
Einer Mitarbeiterin, die zwei Kinder hat, einen berufstätigen Mann und gerade ein Haus gebaut hat, könnte es z.B. wichtig sein, pünktlich nach Hause zu kommen. Sie ist eine der idealen Kandidatinnen für einen (während der Arbeitszeit durchgeführten) Workshop zum Thema „Vereinfachung der Arbeitsabläufe“ mit dem Ziel des Abbaus von Überstunden.
Eine Mitarbeiterin, deren Kinder gerade das Haus verlassen haben, und die ein neues Tätigkeitsfeld sucht, ist prädestiniert für eine Funktion als Projektleiterin oder eine Beauftragung, z.B. zur Gerätebeauftragten.
Ein Mitarbeiter, der mit viel Leidenschaft Schach spielt, ist vermutlich jemand, der Spaß an Strategieüberlegungen hat. Eine Mitarbeiterin mit Geldsorgen wird bei einem Qualitätszirkel „neue Einnahmequellen und Sparmöglichkeiten“ gerne mitmachen, wenn Beteiligungsmodelle für die Mitarbeiter denkbar sind.
Weitere Beispiele sind denkbar.
Der günstigste Weg zur Motivation der Mitarbeiter, im QM mitzuwirken ist es, herauszufinden, was die Mitarbeiter wirklich interessiert (sogenannte „authentische Information“ zu erhalten) und dem Mitarbeiter ein Angebot zu machen, wie er mit und im QM dieses Interesse realisieren kann.
Der beste Weg zur authentischen Information sind offene Fragen (Fragen, die nicht nur mit „ja“ und „nein“ beantwortet werden können) und das interessierte Plaudern, z.B. in der Pause oder zu anderen Gelegenheiten.

4. Moderationstechniken lernen

Im Rahmen der Einführung eines QM-Systems gilt es häufig, Verbesserungsprojekte durchzuführen. Themen könnten z.B. sein: „Wie können wir die Wartezeiten unserer Patienten verringern?“, „Wie können wir Überstunden abbauen?“, oder andere Fragen. Auch wird die Dokumentation häufig in kleinen Gruppen gemeinschaftlich erarbeitet. Die effiziente Leitung von Arbeitsgruppen kann im Rahmen von eintägigen Moderationsschulungen, wie sie von vielen Anbietern, unter Anderem auch der Athene-Akademie, angeboten werden erlernt werden. Die Investition in das Training lohnt sich, da unter fachkundiger Moderation Arbeitsgruppen schneller und mit mehr Spaß zu konsensfähigen, erfolgreichen Lösungen kommen.

5. QM sollte Spass machen und die Arbeit erleichtern 

Qualitätsmanagement sollte den beteiligten Mitarbeitern primär die Arbeit erleichtern und Spass machen. Entsteht der Eindruck, dass QM ausschließlich ein ungeliebtes Anhängsel ist, liegt dies häufig daran, dass ausschliesslich fokussiert Aufgabenlisten abgearbeitet werden, und nicht mehr darüber nachgedacht wird, wozu die eine oder andere Sache eigentlich gut ist. Dann hilft nur eines: Zurücklehnen und nachdenken, wie das QM-System so strukturiert werden kann, dass es als sinnvoll erlebt wird, und ggf. einen Coach hinzuziehen, der bereits mehrere QM-Systeme aufgebaut hat.

6. Delegieren

Einer der größten Fehler, den eine QMB machen kann, ist es, die gesamte QM-Dokumentation selbst zu erstellen. Zum Einen ist dies viel zu viel Arbeit für eine Person, und zum Anderen ist die Identifikation der Mitarbeiter mit dem QM viel größer, wenn jeder Mitarbeiter „seine“ Dokumente selbst erstellt hat. Daher ist es ratsam, dass die QMBs nur die Dokumente selbst erstellen, die einen Ablauf betreffen, an dem sie selbst beteiligt sind, und so viel wie möglich zu delegieren, sofern dies im Rahmen der Praxisstruktur möglich ist.
Beim Delegieren der ersten Aufgaben stellen alle QMBs fest, dass einige Mitarbeiter zu ihren Tätigkeiten seit mehreren Wochen „leider nicht gekommen sind“, „das gar nicht können“ oder auf andere Steine auf dem Weg zum Schreiben der gewünschten Unterlagen stoßen und bisweilen mit Erleichterung auf diese hinweisen.
Hier hilft freundliche Hartnäckigkeit und ein einfaches Prinzip: Zweimal freundlich nachfragen, Hindernisse aus dem Weg räumen helfen, und im Falle einer dritten Abfuhr ein angekündigtes Gespräch mit dem Chef und der betreffenden Mitarbeiterin herbeiführen.

7. Delegationslisten

Delegationslisten helfen, den Überblick zu bewahren, welche Tätigkeit an welchen Mitarbeiter delegiert wurde, und bis wann die Aufgabe bearbeitet sein sollte. Dies verhindert auch, dass Aufgaben, die sich als schwieriger als andere herausstellen, aus dem Blickfeld geraten.

8. Widerstände

Ein wenig Gegenwind gehört zum Arbeitsgebiet einer QMB ebenso dazu, wie der regelmäßige Umgang mit einem PC. Qualitätsmanagement ist immer auch Veränderungsmanagement, und dies ist ohne Widerstände nicht wirklich denkbar.
Im Wesentlichen kann man zwischen zwei Arten des Widerstandes unterscheiden: Den offenen und den versteckten Widerstand.
Der offene Widerstand ist die Form von Gegenwind, die am Einfachsten zu bewältigen ist. Entweder hat die Kollegin, von der die Einwände kommen recht, dann kann in den Prozess korrigierend eingegriffen werden. Oder der Mitarbeiter hat etwas falsch verstanden, dann kann das Missverständnis aufgeklärt werden, notfalls auch in Form eines Gesprächs mit der Praxisleitung.
Der Umgang mit verdecktem Widerstand ist wesentlich schwerer. Mitarbeiter, die diese Variante des Widerstandes wählen, verhalten sich offensichtlich sehr kooperativ oder neutral, setzen jedoch die übernommenen Aufgaben nicht um oder bremsen die Motivation der Kolleginnen hinter dem Rücken der QMB. Hier hilft ein proaktives Gespräch mit der Kollegin oder gemeinsame Strategieüberlegungen mit der Praxisleitung oder einem externen Coach.

9. Weniger ist mehr

Verfahrens- und Arbeitsanweisungen, die für die Mitarbeiter relevante Informationen enthalten, werden gerne in die Hand genommen. QMBs, die zum ersten Mal ein QM-System implementieren, neigen häufig zur Überregulierung. Dann entstehen Verfahrens- und Arbeitsanweisungen in Menge, von denen nach kurzer Zeit nicht mehr nachvollzogen werden kann, wozu sie notwendig sind. Hier ist weniger eindeutig mehr.

10. Die Praxisleitung extern auditieren lassen

Am Ende der Implementierung eines QM-Systems nach DIN EN ISO 9001 stehen die sogenannten „internen Audits“. Dies ist die abschließende, interne Prüfung, ob das aufgebaute System den Anforderungen der DIN EN ISO 9001 entspricht. Im Rahmen dieser internen Audits muss auch die Praxisleitung interviewt werden. Dieses Interview ist für QMBs, die die Funktion des internen Auditors ausüben, häufig sehr schwer, da den Vorgesetzten gegenüber eine Positionierung als interner „Prüfer“ nur schwer gelingt. Hier hilft es sehr, in den ersten beiden Jahren eine externe Person, z.B. die QMB einer anderen Praxis oder eine externe Organisation, zum Audit der Praxisleitung einzusetzen.

Weitere Hinweise erwünscht!

Sollten Sie weitere Ideen und Hinweise haben, die angehenden QM-Beauftragten die Arbeit erleichtern: Das Eddie-Team und das Team der Athen-Akademie freut sich auf Ihren Anruf unter der Telefon-Nummer 03576 222434 und wird die besten eingehenden Ideen bei der nächsten Gelegenheit (selbstverständlich unter Wahrung Ihrer Autorenrechte) gerne auf dieser Page, sowie in den verschiedenen Publikationen unseres Hauses, veröffentlichen.

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